Kläranlage Bergheim-Glessen/-Fliesteden

Stand: April 2021

Seit Oktober 2020 ist eine Aktivkohlefilterstufe in Betrieb.

Das führt zu einer weiteren Verbesserung des Kläranlagenablaufwassers, welches in den Pulheimer Bach fließt.

Vor ca. 12 Jahren wurde die Kläranlage mit einer Membranfilterstufe ertüchtigt. Zusammen mit den Renaturierungsmaßnahmen, die die natürlichen Reinigungskräfte mobilisieren, führt der Pulheimer Bach seitdem „Badewasserqualität“. Das ist von großer Bedeutung, denn das komplette Bachwasser wird an der Stadtgrenze zu Köln, in einem ehemaligen Rheinarm, der Großen Laache“, zu 100% versickert. Damit reichert der Pulheimer Bach jährlich mit einem Volumen zwischen 1,5 und 2 Millionen Kubikmeter das Grundwasserdargebot im Kölner Norden an. Nach etwa 10 Jahren Fließzeit, im Grundwasserleiter Kies/Sand, erreicht es die Brunnengalerien des Wasserwerks Köln-Weiler. Hier erfolgt die Aufbereitung zu Trinkwasser – auch für Pulheim (!).

Da der Pulheimer Bach mit seinen rund 10 Kilometer Länge nicht in ein anderes Gewässer (Fluss/Strom) mündet, hat er für Wissenschaft und Forschung „Labor-Charakter“.  Davon wird rege Gebrauch gemacht.

Um die weitere Verbesserung der Bachwasserqualität und seine Auswirkungen auf z.B. kleine Wassertierchen, Fische u. Krebse (Makrozoobenthos/Gewässergüteanzeiger) beurteilen zu können, hat der Erftverband, Betreiber der Kläranlage,  vor dem Bau der Aktivkohlefilterstufe Proben aus dem Bach entnommen. Diese Proben können dann mit Proben verglichen werden, die nach einem gewissen Zeitablauf, nach der Inbetriebnahme der Aktivkohlefilterstufe geplant sin.

Der Erlebnispfad erläutert die Kläranlage wie folgt:

  • Erzählstation 10 des Wassererlebnispfades Pulheimer Bach
  • Schlagwörter: Betonschale, Renaturierung, Lernstandort, Rohabwasser, mechanische Reinigung, biologisch-chemische Reinigung, Membranfiltration,   
  • Gemeinde: Bergheim-Glessen
  • Kreis: Rhein-Erft-Kreis
  • Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Lage: östlich Glessen
  • Koordinaten WGS84: 50°58’22”N 6°45’37”E
  • Höhe: 75 m ü. d. Meer

Die Erzählstation 10 „Kläranlage“ des Wassererlebnispfades Pulheimer Bach liegt östlich von Glessen am Austritt des gereinigten Abwassers, das nach mehreren Reinigungsstufen in Badewasserqualität die Kläranlage verlässt (Abb. 1). Das Wasser, das bis 2010 in eine Betonschale geleitet wurde (Abb. 2), die zum Keuschenbroichbach führte, wird auf kurze Distanz dem renaturierten Bach zugeführt (Abb. 3). Die Änderung ist Teil einer umfassenden Renaturierung der Glessener Aue. Über die Renaturierungsmaßnahme informiert die Erzählstation 11 „Aue“ des Wassererlebnispfades Pulheimer Bach.

Eine vom Hubsteiger gemachte Aufnahme zeigt die Situation im Februar 2014 (Abb. 4). Der renaturierte Bach fließt in geschwungenem Verlauf durch die Aue. Im Mittelgrund links liegt das Retentionsbodenfilterbecken, auf das in Erzählstation 9 hingewiesen wird. Rechts von der Kläranlage ist der neu geschaffene Ablauf zu erkennen, an dessen Einmündung in den Bach ein Lernstandort mit zwei  Furten eingerichtet wurde (Abb. 5). Dort können oberhalb und unterhalb der Einmündung Proben entnommen und Beobachtungen gesammelt werden.

Die Kläranlage Glessen reinigt das Rohabwasser der Orte Glessen und Fliesteden in mehreren Stufen. Zunächst fördern Zulaufpumpwerke das Wasser aus der Kanalisation. In der mechanischen Reinigungsstufe passiert das Abwasser eine Feinrechenanlage, einen belüfteten Sand- und Fett-Fang sowie eine Siebanlage.

Die biologische Reinigungsstufe erfolgt vor allem im Belebungsbecken, wo Bakterien das Wasser von Schmutzstoffen reinigen (Abb. 6).

Im chemischen Reinigungsprozess werden über eine Simultanfällung die Phosphate durch Zugabe eines chemischen Fällmittels entfernt.

Das nun weitgehend saubere Wasser saugen Pumpen (Abb. 7) durch Membranfilter in vier separaten Filterkammern. Die Membranfiltration hält die restlichen Feststoffe, Viren und andere Krankheitserreger zurück. Durch die im Frühjahr 2008 in Betrieb genommene Verbesserung der Anlage wurde das Nachklärbecken (Abb. 8) zunächst überflüssig.

Mit der Inbetriebnahme der Aktivkohlefilterstufe ist es seit Oktober 2020 wieder in Betrieb.

Ein Teil des gereinigten Wassers wird in Badewasserqualität in den Pulheimer Bach eingeleitet. Eine geringere Wassermenge wird in den Fliestedener Bach, außerhalb des Einzugsgebietes  gepumpt. Betriebstechnisch bedingt variiert die in den Pulheimer Bach eingeführte Wassermenge stark. Die Schwankungen bewirken die gezackte Ganglinie des Abflusses am Pegel Pulheim (Abb. 9)

Die Membrankläranlage Glessen reinigt pro Jahr etwa 900 000 Kubikmeter an Abwasser. Zur Verbesserung der Spurenstoffelimination wird ab Ende 2019 eine Pilotversuchsanlage mit granulierter Aktivkohle in der Kläranlage Glessen errichtet – siehe oben.


Elimination von Spurenstoffen durch Aktivkohlefilter auf der Kläranlage Glessen

Das Land Nordrhein-Westfalen fördert auf der Kläranlage Bergheim-Glessen eine großtechnische Versuchsanlage zur Entfernung von Spurenstoffen aus dem Abwasser. Spurenstoffe sind Arzneimittel, Chemikalien aus Industrie und Landwirtschaft oder deren Abbauprodukte, die in der Regel nur in sehr geringen Konzentrationen in unseren Gewässern vorkommen. Sie sind daher nur mit modernster Laboranalytik nachweisbar. Dennoch gibt es Hinweise darauf, dass diese Stoffe die Umwelt, zum Beispiel die Lebewesen in Gewässern beeinträchtigen können. Ein wesentlicher Eintragspfad für Arzneimittelspuren in die Gewässer sind Kläranlagenabläufe. Bei der Vielzahl von eingeleiteten Stoffen ist jedoch noch nicht hinreichend erforscht, welche Auswirkungen die Spurenstoffe auf die Pflanzen und Tiere der Bäche und Flüsse haben und mit welchem Verfahren man sie am besten aus dem Abwasser entfernen kann. Die Kläranlage Glessen hält mit ihrer modernen Membrantechnik bereits sämtliche Feststoffe und nahezu alle Viren und Bakterien zurück. Sie bietet damit beste Voraussetzungen für eine weitergehende Spurenstoffelimination. Daher plant der Erftverband im Rahmen eines Forschungsvorhabens eine großtechnische Versuchsanlage, in der das schon gereinigte Abwasser einen mit Aktivkohle gefüllten Filter durchfließt. Die Spurenstoffe adsorbieren an der Aktivkohle und werden somit aus dem Abwasserstrom entfernt. Das Vorhaben wird durch umfangreiche Untersuchungen, insbesondere auch an den im Glessener / Pulheimer Bach lebenden Organismen begleitet. Derzeit werden sogenannte „physiologische Marker“ untersucht, die anzeigen, wie „gut“ es den am Gewässergrund lebenden Tieren (z.B. Schnecken und Insekten) geht. Ein späterer Vergleich wird dann aufzeigen, ob sich der physiologische Zustand der Tiere nach Inbetriebnahme des Aktivkohlefilters verändert hat.

Aktivkohlefilterstufe. Im Vordergrund der 2020 wieder in Betrieb genommene Schönungsteich.
Erzählstation „ES 10-Kläranlage“ des Erlebnispfades Pulheimer Bach.
Einmündung des Kläranlagenablaufwassers in den renaturierten Bachabschnitt.